Alptraditionen

Hosälupf 

Einmal jährlich schwingt es auf der Rigi mächtig. Dann findet der «Hosälupf» (Hosenlupf) statt, das bekannte Rigi Schwing- und Älplerfest. Ebenso eindrücklich ist der besinnliche Alpsegen, den die Älpler in die Nacht hinausrufen. Wollen Sie mehr darüber erfahren?

  • Guet Tag.

    Schön, darf ich Dich auf dem Alperlebnisweg Rigi zum «Hosälupf» begrüssen.

    Das «Du» ist doch OK für Dich? Es ist nämlich so: Auf der Alp sagen sich alle Du. Wäre doch schade, würden ausgerechnet wir uns siezen, oder?

    Darum bin ich für Dich die Margrit. Margrit ohne H am Schluss. Das Leben ist schon kompliziert genug.

    Ich bin eine waschechte Rigi-Älplerin. Ich bin auf dem Berg aufgewachsen, habe mit meinem Mann Heiri eine Familie gegründet und unsere Alp geführt. Mittlerweile bin ich stolzes Grosi von Reto, das ist der Sohn von meiner Tochter Lisa und ihrem Mann Xaver.

    (Geräuschkulisse Rigi Schwingfest im Hintergrund)

    Hörst du das?

    Das ist das jährliche Rigi Schwing- und Älplerfest. Es ist unser wichtigster Brauchtums-Anlass und zählt zu den vier bedeutendsten Bergschwingfesten der Schweiz.

    Die Schwinger sind schwergewichtige Gesellen. Sie haben mir schon als Mädchen imponiert, wie sie den Gegner mit «Kurz», «Hüfter» oder «Buur» auf den Rücken warfen. Neben dem Sägemehlring sind die «Bösen», wie wir sie nennen, ganz friedlich. Ich muss es wissen, ich habe ja einen geheiratet, den Heiri. Drei Kränze hat er in jungen Jahren gewonnen, einen davon sogar daheim auf der Rigi! (seufzt) Das waren noch Zeiten.

    Imposant sind auch die Steinstösser: Sie heben mit blosser Hand einen 50 Kilo schweren Stein und stossen ihn an die 4 Meter weit. Unglaublich!

    Das Rigi Schwinget ist auch ein grosses Älplerfest mit Fahnenschwingen, Alphorn- und Jodelklängen, Ländlermusik und Trachtentanz, wunderschönen Aufzügen von prächtig geschmücktem Vieh und herausgeputzten Älplerfamilien. Nachdem ich mit meiner Familie jahrelang selber mitgemacht habe, sind jetzt Lisa, Xaver und Reto mit seinem Sennenhund Barry an der Reihe. Beim Zuschauen geht mir jedes Mal das Herz auf.

    (Auf- und abklingen der Kuhglocken)

    Nach dem Winter ziehen wir mit Vieh und Hausrat auf unsere Rigi-Alp hinauf, wo wir gemeinsam den Sommer verbringen. Im Herbst packen wir dann unsere Siebensachen wieder und treiben das Vieh ins Tal hinunter. Wir bestimmen selbst, wann wir auf- und abziehen. Je nach Wetter und dem Wohl der Kühe kann dies früher oder später im Jahr sein.

    (Betruf)

    Vor dem Einnachten kommt für mich einer der schönsten Momente des Tages. Dann spricht Xaver den Betruf oder Alpsegen. Er nimmt eine Volle, das ist ein hölzerner Milchtrichter, und ruft die Schutzheiligen an, sie mögen Mensch, Tier und Alp beschützen. Diesen Brauch praktizieren die Älpler schon seit Jahrhunderten. Jeder Berg hat seinen eigenen Betruf. In der ganzen Schweiz gibt’s etwas 200 unterschiedliche Alpsegen.

    (Betruf)

    Ich danke Dir fürs Zuhören.

    An der nächsten Station vom Alperlebnisweg Rigi erzähle ich Dir mehr über das Leben auf den Rigi-Alpen.

    Bis bald. Hebs guet.