Franz-Toni Kennel

Die schönste Alp der Welt

Franz-Toni Kennel von der Alp Chäserenholz erzählt:

Die schönste Alp der Welt - Franz-Toni Kennel

«Der Alpsommer auf der Rigi dauert von Anfang Mai bis in den Oktober. Für uns sind dies die strengsten Monate, mit langen Tagen und kurzen Nächten. Das Leben auf der Alp muss einem gefallen, das ist eine Eigenschaft, die man hat oder eben nicht. Ich sehe das bei meinen Angestellten: Manche unterschätzen das Dasein hier oben, bekommen den Bergkoller und bleiben nicht lange. Sie träumen von Alpenromantik und erleben knochenharte Arbeit. Mir ist die Liebe zur Alp gegeben. Den Morgen verbringe ich immer mit Käsen. Dabei muss alles schnell gehen, ich folge einem genauen Ablauf, jeder Handgriff muss sitzen. Ich stelle gut ein Dutzend verschiedene Käsesorten her, vom Sennenmutschli über den Rigi-Tomme bis zum Geissenkäse. Das Tüfteln beim Käsen ist spannend. Alles hängt vom Rohstoff, der Milch, ab. Ich sehe die Milch als Lebewesen, die nicht immer gleich ist. Manchmal gerät ein Käse nicht auf Anhieb, dann gebe ich nicht auf, sondern probiere weiter, bis er gelingt. Pro Jahr stelle ich heute etwa 17 Tonnen Käse her, vor zehn Jahren war es noch knapp die Hälfte. Diese Käserei hier oben sichert neun Familien aus der Umgebung, die ihre Milch an mich liefern, ein regelmässiges Einkommen.

MEDITATIVE TAGE

Ich bin das ganze Jahr über auf der Alp Chäserenholz. In der Nebensaison geniesse ich auch die ruhigeren Tage. Im Winter kann es sein, dass ich tagelang nicht aus dem Haus kann, weil es eingeschneit ist. Ich mag auch diese meditativen Tage, an denen ich ganz für mich bin. Hier oben kann man wirklich zur Ruhe kommen und Frieden erleben, das ist unten im Tal fast nicht mehr möglich. Dass ich mir das hier aufgebaut habe, hat aber nichts mit Selbstverwirklichung zu tun, es war eine existenzielle Frage. In mir steckt extrem viel Idealismus, und ich habe das Angebot laufend ausgebaut. Heute zeige ich Gästen, wie man Käse herstellt, ich biete Übernachtungsmöglichkeiten und bewirte im Sommer Wanderer und im Winter Schlittler mit Käseschnitten oder Fondue. Für eine Alp ist hier alles sehr exklusiv, mit Zentralheizung, Dusche und isolierten Wänden und Dach.

Früher war alles viel bescheidener. In der alten Chäserenholz-Hütte, die sich etwas weiter unten befand, gab es weder fliessendes Wasser noch Strom. Als ich hier anfing, gab es keinen Wanderweg und keine Strasse. Damals hätte ich mich am liebsten hinter einem Baum versteckt, wenn ich einen Touristen sah. In dieser Beziehung ist mit mir und mit der Alp in den letzten Jahren viel passiert; ich musste mich öffnen und mir immer wieder etwas einfallen lassen, um über die Runden zu kommen. Der Umgang mit den Gästen ist eine Herausforderung, die mir heute Spass macht, auch wenn ich die weit verbreitete Ungeduld nicht immer verstehe. Hin und wieder schüttle ich den Kopf über die Ansprüche, mit denen gewisse Leute in einer Alpwirtschaft einkehren. Es kommt vor, dass Gäste nach einem Aprikosensaft fragen und nicht begreifen wollen, warum wir keinen im Angebot haben. Ich versuche ihnen dann zu erklären: Wir sind auf einer Alp, und die Ware muss irgendwie hier hinauf kommen!

VIEL VON DER WELT GESEHEN

Schon mit 13, 14 Jahren wusste ich, dass ich mein Leben in der Natur und mit Tieren verbringen will. Ich suchte mir eine Lehrstelle als Käser mit Kost und Logis und schloss die Ausbildung mit der Bestnote ab. Nach der Lehre ging ich auf eine Alp im Muotathal und lernte, Kühe zu melken. Da war mir klar, dass ich die richtige Richtung eingeschlagen hatte. Mein Vater ermöglichte mir den Kauf der alten Chäserenholz-Hütte; er musste fürs Darlehen seine Unterschrift geben, weil ich noch minderjährig war. Im Sommer war ich jeweils da oben, und im Winter suchte ich mir Verdienstmöglichkeiten im Tal. Später absolvierte ich die Ausbildung zum Bauern.

Einmal unternahm ich eine längere Weltreise. Als ich in New York ankam, erkundigte ich mich am Flughafen, wo die Jugendherberge sei. Ich versuchte, mich irgendwie zu verständigen, Englisch sprach ich nicht. Ich bekam zur Antwort, das Beste wäre, mit dem Flugzeug gleich wieder heim zu fliegen. Da kaufte ich mir am Kiosk ein Wörterbuch. Der erste Satz, den ich lernte, war: ‹Speak slowly, please›. Irgendwann verstand ich die Leute auch, wenn sie schneller sprachen. Ich sah viel von der Welt und machte spannende Erfahrungen. Als ich wieder zu Hause war, bestieg ich in Zürich den Zug nach Goldau. Auf der Strecke erblickte ich die verschneite, majestätische Rigi. Ich nahm die Bahn und fuhr auf den Kulm, schaute rundherum und realisierte: Das ist einer der schönsten Plätze der Welt. Hier will ich bleiben, dieser Ort tut mir gut. Heute unternehme ich immer mal wieder kürzere Reisen, wenn der Alpsommer vorbei ist. Und ich komme jedes Mal gerne zurück.»

Alm / Berggasthof Rigi Kulm

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